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Fasten und Eiweiss: Ist Fasten gefährlich weil Körpereiweiß verbraucht wird?
Während jeder Nullkalorienzufuhr greift der Organismus auf die Eiweissreserven des Körpers zurück. Bei dem „Heilfasten“ nach Dr. Otto Buchinger handelt es sich nicht um eine Nulldiät, sondern um ein modifiziertes Fasten, bei dem naturbelassene Zusätze in Form von frischen Obst- und Gemüsesäften, Honig, Gemüsebrühe (ca. 300-500 kcal/Tag) sowie ggf. weitere Zusätze (z. B. Milchprodukte) individuell verabreicht werden. Dadurch wird der fastenbedingte Eiweißverbrauch erheblich reduziert und es werden Vitamine und Mineralien zugeführt. Außerdem besteht in den Fastenkliniken, die nach der Buchinger-Methode arbeiten, schon seit Jahrzehnten ein gesundheitspädagogisches Programm und ein multidisziplinäres Behandlungskonzept (Ernährungs-, Bewegungs-, Entspannungs- und Psychotherapie), das die Fastenden begleitet und auf den Alltag vorbereitet (Wilhelmi de Toledo et al. 1994). Der Hauptbrennstoff im Fasten ist ab dem 2. bis 3. Fastentag das eingelagerte Fett und nicht das Eiweiss. Außderdem zeigen Studien, dass der Körper verbrauchtes Eiweiß in der Aufbauphase nach derm Fasten sehr schnell wieder einlagert. Die Erfahrung zahlreicher Fastenkliniken in Deutschland zeigt, dass therapeutisches Fasten als sicher einzustufen ist.
Fasten und Herz: Ist Fasten schädlich für das Herz?
Der Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung sind lediglich die Todesfälle durch Herzstillstand bekannt, die nach monatelanger Einnahme eines Protein-Getränkes (sog. Liquid-Protein-Diet) aufgetreten sind und veröffentlicht wurden (van Itallie & Yang 1984). Das methodisch richtig durchgeführte Fasten ist äußerst risikoarm und führt zur Verbesserung der Gesundheit. Im Rahmen von Studien zur Fastentherapie, die zur Behandlung von Rheumaerkrankungen erfolgreich durchgeführt wurden, konnte gezeigt werden, dass die Parameter des Ernährungsstatus im Normbereich blieben (Haugen et al. 1993; Müller et al. 2001). Bei bestimmten Formen von Herzerkrankungen ist Heilfasten sogar indiziert.
Fasten und "JoJo-Effekt": Führen Reduktionsdiäten wie das Fasten zu einer anschließenden Gewichtszunahme über einen JoJo-Effekt?
Häufige Diäten, also häufige Gewichtsabnahme und anschliessende Wiederzunahme scheint das Übergewicht zu verstärken: dies wird als Jo-Jo-Effekt bezeichnet, jedoch wissenschaftlich kontrovers diskutiert(Castelli 1994). Einerseits, weil die Reduktion des Grundumsatzes nur vorübergehend ist, andererseits weil Lebensstilfaktoren unberücksichtig bleiben. Menschen, die sich wenig bewegen und zuviel Fett und Zucker aufnehmen, nehmen im allgemeinen wieder zu – und zwar über das Ausgangsgewicht hinaus – unabhängig davon, ob die Gewichtsreduktion durch Fasten, Proteindiäten, FDH oder sonstige Methoden herbeigeführt wurde. Entscheidend für die Erhaltung der Gewichtsreduktion ist die Änderung des Lebensstils in bezug auf Ernährung, Bewegung und das Anstreben eines emotionalen Gleichgewichtes ohne Kompensation durch Nahrungsmittel (Kunst, Kreativität, Natur, harmonische Beziehungen, Spiritualität werden von Buchinger für die „Diätetik der Seele“ empfohlen!) (Buchinger 1999). Aus der Statistik der Fasten-Klinik Buchinger am Bodensee wurden die Daten von Patienten, die 10 Mal oder mehr gefastet hatten, untersucht. Dabei zeigte sich, dass der oben beschriebene Jo-Jo-Effekt nicht eingetreten ist: nach 10-maligem Fasten - etwa ein Mal pro Jahr wie die religiösen Traditionen es empfehlen - hatten 1/3 der Probanden weniger Gewicht als am Anfang des ersten Fastens, bei 1/3 der Probanden lag das Gewicht ungefähr bei dem Ausgangsgewicht und bei 1/3 konnte die Gewichtszunahme trotz des regelmäßigen Fastens nicht gestoppt werden, jedoch war die Gewichtszunahme nicht erheblich (Wilhelmi de Toledo et al. 1994). Im übrigen sind bei Tieren wie den Königs-Pinguinen, den Zugvögeln und den winterschlaf-haltenden Tieren periodische Gewichtsab- und wiederzunahmen völlig physiologisch: sie speichern in der nahrungsreichen Zeit Fett an und leben in der nahrungsarmen Zeit von ihrem Speicherfett - sie werden aber im Laufe der Jahre nicht „fetter“ (Cherel et al. 1987, Le Maho et al. 1988). Nicht die Gabe von Proteinmischungen ist maßgebend für die Erhaltung des reduzierten Gewichtes, sondern die Vorbereitung der Menschen während des Fastens auf eine gesündere Lebensführung.
Fasten und "Schlacken": Werden beim Fasten "Schlacken" abgebaut?
Der Begriff „Schlacke“ stammt aus der metallerzeugenden Industrie und ist definiert als glasig massiver Rückstand aus thermisch metallurgischen Prozessen. Als Otto Buchinger 1935 den Begriff „entschlacken“ im Zusammenhang mit der Fastentherapie verwendete, war den Menschen der damaligen Zeit das Wort „Schlacke“ als Bezeichnung für die unverbrannten Rückstände der damals üblichen Kohleöfen vertraut. So entstanden bei Fastenärzten für einen gestörten Stoffwechsel bildhafte Vergleiche eines rußenden Ofens, der erst dann wieder gut zöge, wenn er von seinen Schlacken befreit wäre. Im Volksmund hat sich dieser Begriff „entschlacken“ als Sinnbild für das Entfernen von Überflüssigem, Störendem, ja Schädlichem erhalten.
In der herrschenden Medizin gibt es den Begriff „Schlacke“ nicht. Da mittlerweile die medizinische Forschung tiefere Einblicke in die physiologischen Vorgänge des menschlichen Körpers gewährt, erübrigt sich die Verwendung des Begriffs Schlacke in der Medizin, da für die Gesundheit Schädliches, Überflüssiges und Störendes chemisch definiert und benannt werden kann:
* überschüssige Fette, z. B. als erhöhte Triglyceride, Cholesterin und low-density lipoprotein im Blutserum * erhöhte Harnsäure im Blut und Gewebe als Ursache von Gichtablagerungen * schädliche, langkettige Zucker-Eiweiß-Verbindungen: advanced glycation endproducts (AGEs) als Promotoren von Arteriosklerose und Alterungsprozessen * ein Übermaß von Antigen-Antikörper-Komplexen bei Allergien durch überschüssiges Bauchfett (viszerale Adipositas) * schädlich erhöhte Botenstoffe, wie Insulin, Angiotensinogen, Tumornekrosefaktor alpha, Hormone wie Östrogen, entzündungsfördernde Interleukine, gerinnungspromovierende Faktoren wie Plasminogenaktivatorinhibitor 1 und viele andere. Heute wissen wir, dass es nicht damit getan ist, schädliche Stoffe „auszuleiten“, sondern in einem komplexen Regelsystem der Gesundheit dienliche Balancen herzustellen. Die Fastentherapie erzielt eine hohe Ergebnisqualität, da sie offensichtlich viele dieser Regelsysteme positiv beeinflusst: z. B. sinkt erhöhter Blutdruck, Fett- und Zuckerstoffwechsel verbessern sich, die Stimmung hellt sich nachhaltig auf, die antientzündliche Wirkung für zu Schmerzreduktion, z. B. an den Gelenken bei Rheuma. Obschon der Begriff Schlacke in der herrschenden Medizin nicht gebräuchlich ist, hat das „Entschlacken“ schon manchen Patienten zur positiven Lebensstiländerung bewegt. Fasten befreit auch von „seelischen Schlacken“. Unverarbeitete Erlebnisse, alter Groll und Hader, die während einer Fastentherapie oft unvermittelt wieder an die Oberfläche gespült werden, können wahrgenommen und bearbeitet werden, z. B. mit Hilfe einfühlsamer, liebevoller Gesprächstherapie. So fühlt sich der Mensch nach einem optimalen Fasten körperlich und seelisch im Gleichgewicht.
Fasten und Gallensteine: Könenn sich im Fasten Gallensteine bilden und eine Gallenkolik auslösen?
Das Risiko an Gallensteinen zu leiden nimmt mit dem Grad des Übergewichtes zu. Bei schnellen Gewichtsreduktion, z. B. nach Magenverkleinerung (Gastric Banding) oder Proteindiäten nimmt die Inzidenz der Gallensteine zu und zwar bis zu 8 % nach 4 Wochen Gewichtsreduktion, 5-26 % nach 2-5 Monaten und bis 33-36 % nach 6-12 Monaten (Weinsier 1994). Gallensteinbildung nach Heilfasten ist uns nicht bekannt. Vielleicht liegt das an der Tatsache, dass das Heilfasten selten länger als drei bis vier Wochen durchgeführt wird und nur naturbelassene Zusätze zugeführt werden. |